Traditionelle Tibetische Medizin (SOWA RIGPA)

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Zusammenfassung: Die Traditionelle Tibetische Medizin ist ein klassisches fernöstliches Medizin-System mit multikulturellen Einflüssen. Sie ist bis heute in ihrer Authentizität erhalten geblieben. Die Essenz der Traditionellen Tibetischen Heilkunde ist die Lehre der fünf Elemente, welche die Verbindung allen Seins postuliert. Hieraus generiert sich weitgehend auch das Verständnis der Krankheiten. Körper und Geist sind als eine durch Energie verbundene Einheit zu verstehen. Dieses Verständnis ist im Rahmen der buddhistischen Philosophie erklärt. Die Tibetische Medizin ist unabhängig von Glaubensrichtungen anwendbar und leistet erfahrungsgemäß einen entscheidenden Beitrag  zur Medizin allgemein.


Zum Verständnis der Traditionellen Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin nehmen wir die ganzheitliche Verbindung allen Seins an. Wir gehen davon aus, dass eine wechselseitige Verbindung von Körper und Geist besteht. Diese Verbindung ist bereits auch in der westlichen Medizin belegt: Ein Gedanke oder eine Emotion bewirken zum Beispiel eine Hormonausschüttung, aus welcher wiederum eine Veränderung von körpereigenen Einstellungen, wie zum Beispiel der Herzfrequenz oder dem Blutdruck, resultiert. Die Rolle der Ernährung und der Lebensweise stehen in der Tibetischen Medizin an erster Stelle, da sie unsere Gesundheit entscheidend beeinflussen. Auch dieser Fakt ist in der westlichen Medizin unstrittig belegt. Die angemessene Ernährung und der Lebensstil legen den Grundstein für effektive Vorbeugung und Gesundung. Eine Behandlung von Erkrankungen erfolgt mit natürlichen Substanzen, wie zum Beispiel Kräutern. Der profunde pharmakologische Wissensschatz  der Tibetischen Medizin ermöglicht dem Arzt die sanfte Beeinflussung zur Wiederherstellung des körperlichen und geistig-seelischen Gleichgewichtes.  Durch äußere Anwendungen wie Wärme- oder Kälteanwendungen, Massagen und Bäder kann ein zusätzlicher Beitrag zur Gesundung geleistet werden. Schlussendlich sind aber auch die mitfühlende Einstellung des Arztes und seine individuellen Ratschläge von zentraler Bedeutung für die Gesundung des Patienten.

In modernen Ansätzen der Tibetischen Medizin, besonders im Westen, fließen körperliche Übungen wie tibetisches Yoga und Meditation zunehmend in die Behandlung mit ein, da auf diesem Weg eine wirksame Reduktion der körperlich-geistigen Belastungen unserer Zeit möglich ist.

 

Traditionelle Tibetische Medizin – Hintergrund und Geschichte

Ihre ursprünglichen Wurzeln hat die traditionelle tibetische Medizin zunächst im überlieferten Heilwissen Tibets und im Bön Schamanismus. Das tiefe Wissen des indischen Ayurveda und des Yoga flossen zur Zeit der Einführung des Buddhismus durch indische Meister in Tibet in das tibetische Medizinsystem mit ein. Ebenso beeinflusste das Wissen der traditionellen chinesischen Medizin Teilbereiche der tibetischen Medizin. Neben diesen eher geographisch geprägten Einflüssen fand bereits im 8. Jahrhundert im Rahmen einer Medizinkonferenz im tibetischen Samye ein fruchtbarer Austausch mit weiteren internationaleren Medizinsystemen statt. Es wird vermutet, dass auch der griechische Arzt Galen[1] einen Beitrag zur tibetischen Medizin leistete. Auch heute, durch die Initiative des Dalai Lama, dem spirituellen Führer Tibets, wird ein internationaler Austausch angeregt. Dieser fand im Jahr 2012 im Rahmen der Internationalen Konferenz für Tibetische Medizin im indischen Dharamsala statt.


[1] Christopher I. Beckwith: „The Introduction of Greek Medicine into Tibet in the Seventh and Eighth Centuries“. In: Journal of the American Oriental Society. 99.2:297-313 (April-Juni 1979).

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